Gibt es Geschlechtergleichstellung am Arbeitsplatz?
Kurzantwort

So sehr wir schnelle und unkomplizierte Lösungen schätzen, müssen wir bei Linked Helper für bestimmte Aufgaben unserer Kunden häufig mehrstufige Lösungswege entwickeln. „Wie kann ich auf LinkedIn automatische Nachrichten ausschließlich an Frauen senden?“ ist eine recht häufige Anfrage.

Auf LinkedIn lässt sich das Geschlecht nicht schnell und zuverlässig bestimmen, ohne jedes Profil einzeln anzusehen. Wer seine Zeit sinnvoller einsetzen möchte, kann LinkedIn-Automatisierung nutzen. Doch selbst mit Tools wie Linked Helper lässt sich eine umfangreiche Profilliste nicht in einem einzigen Schritt in die Kategorien „W“ und „M“ einteilen. Dafür haben wir jedoch ein bewährtes mehrstufiges Verfahren entwickelt.

Mit der Veröffentlichung des bekannten Chat GPT wollten wir allerdings herausfinden, was AI leisten kann. Als wir Chat GPT diese Aufgabe stellten, erklärte es zu unserer großen Überraschung, dass manche Positionen überwiegend von Männern besetzt seien und wir dies als Sortierkriterium verwenden könnten. Das war nicht die konkrete Lösung, die wir erwartet hatten, weckte jedoch unsere Neugier. Ist das tatsächlich so? Wer könnte uns eine bessere Antwort geben als die führende soziale Plattform für Berufstätige? Wir wandten uns an LinkedIn, um herauszufinden, wie Männer und Frauen in verschiedenen Positionen vertreten sind.

Wichtige Hinweise:

  • LinkedIn bietet weder einen Geschlechtsfilter noch ein Geschlechtsattribut für Personenprofile. Daher können die meisten Automatisierungstools das Geschlecht einer Person nicht schnell auslesen und bestimmen.
  • Eine Kombination aus Tools zur Datenextraktion wie Linked Helper und einer Anwendung zur Namensprüfung liefert Geschlechtsdaten für umfangreiche Listen und weist für jedes Ergebnis einen Wahrscheinlichkeitswert aus, der bis zu 99 % betragen kann.
  • Den LinkedIn-Profilen zufolge sind in den Vereinigten Staaten 78 % der CEOs männlich und 22 % weiblich. In Norwegen fallen die Ergebnisse noch stärker zugunsten der Männer aus – 87 % Männer gegenüber 13 % Frauen.

So bestimmen Sie das Geschlecht des Empfängers auf LinkedIn

Angenommen, Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, auf LinkedIn ausschließlich Frauen Nachrichten zu senden. Jedes einzelne Profil selbst anzusehen, um das Geschlecht zu bestimmen, kommt nicht infrage, da Sie eine große Zielgruppe erreichen möchten. Außerdem: Wer erledigt das heutzutage noch von Hand? Wie finden Sie unter Tausenden LinkedIn-Profilen gezielt die Profile weiblicher Personen?

LinkedIn-Profile enthalten kein Feld für das Geschlecht, das Sie beim Anlegen Ihres Profils ausfüllen können. Dadurch ist es für Tools zur Extraktion von LinkedIn-Daten oder LinkedIn-Automatisierungstools unmöglich, Geschlechtsdaten einfach abzurufen. Die meisten Tools zur Datenextraktion erfassen lediglich Daten aus LinkedIn-Profilen. Sie reichern diese Daten nicht an und ziehen daraus auch keine weiteren Schlüsse. Sind bestimmte Daten nicht vorhanden, können sie auch nicht erfasst werden.

Andererseits gibt es ein Feld für bevorzugte Pronomen. Dort können Sie angeben, ob Sie ein Mann (he/him), eine Frau (she/her) oder geschlechtsneutral (they/them) sind, oder eigene Pronomen eintragen. Dieses Feld wird jedoch nur von wenigen Personen ausgefüllt. Außerdem sind die Pronomen möglicherweise ausschließlich für Kontakte ersten Grades sichtbar, sodass auch dieses Feld nur begrenzt hilfreich ist.

LinkedIn und Geschlecht

Eine weitere Möglichkeit wäre, auf LinkedIn nach Gruppen für Frauen oder Männer zu suchen.

Gruppen für Frauen oder Männer auf LinkedIn

LinkedIn-Gruppen beizutreten, um deren Mitglieder erreichen und ansprechen zu können, ist eine sinnvolle Strategie. Wir haben sie bereits im Leitfaden „So erreichen Sie Gruppenmitglieder“ und in einem Video-Tutorial behandelt. Überraschenderweise können LinkedIn-Gruppen für Frauen jedoch auch männliche Mitglieder haben. Sie können sich daher nicht vollständig auf den Gruppennamen verlassen.

Chat GPT

Im Laufe unserer Untersuchung wollten wir herausfinden, was Chat GPT leisten kann. Wir fragten ausdrücklich, wie sich in Linked Helper automatische Nachrichten ausschließlich an Frauen oder Männer senden lassen. Zu unserer großen Überraschung schlug Chat GPT vor, das Geschlecht anhand der Berufsbezeichnung zu bestimmen.

Sie können den Filter „Title“ verwenden, um nach männlichen Empfängern zu suchen, indem Sie gezielt nach bestimmten Positionen suchen, die überwiegend von Männern besetzt sind, erklärte Chat GPT. Dazu gehörten laut Chat GPT Positionen wie CEO*,* COO*,* Manager*,* VP* und* Ingenieur.

Ungeachtet möglicher moralischer Bedenken beschlossen wir, dies selbst zu überprüfen. Sind Frauen und Männer in bestimmten Branchen oder Positionen tatsächlich gleich stark vertreten, wie es auf LinkedIn erscheint?

So senden Sie automatische Nachrichten ausschließlich an Frauen oder Männer

Das Experiment

Das Experiment gliedert sich in vier Phasen.

Zuerst müssen wir eine bestimmte Berufsbezeichnung auswählen. Nehmen wir beispielsweise CEO. Präzisieren Sie Ihre Suchanfrage mit Boolean-Operatoren – CEO NOT Founder. Wählen Sie einen bestimmten Standort aus, um die Zielgruppe einzugrenzen. Wir entschieden uns für eine landesweite Suche in den Vereinigten Staaten. Zusätzlich bezogen wir Norwegen ein, um eine breitere Vergleichsbasis zu erhalten und zu sehen, wie sich die Ergebnisse je nach Region unterscheiden können.

Boolean-Suche auf LinkedIn

Anschließend erfassen Sie die Profile mit der Sammelfunktion von Linked Helper in einer Liste. Es dauert zwischen 5 und 15 Minuten, 1.000 Profile aus den Suchergebnissen abzurufen. Wenn Sie weitere Profile benötigen, können Sie unsere Strategien zum Erstellen einer umfangreicheren Liste nutzen.

Benutzeroberfläche von Linked Helper

Im dritten Schritt exportieren wir diese Liste als CSV-Datei und öffnen sie in MS Excel. Da uns kein Geschlechtsattribut zur Verfügung steht, bestimmen wir das Geschlecht anhand der Namen.

Exportierte CSV-Datei

Im vierten Schritt bestimmen wir mithilfe externer Dienste oder eines der zahlreichen verfügbaren Namensverzeichnisse, welche Empfänger weiblich beziehungsweise männlich sind.

Bei 1.000 CEO-Profilen aus den USA wurden 780 Namen als männlich und 220 als weiblich eingeordnet.

Wenn ich anschließend Nachrichten ausschließlich an Frauen senden wollte, würde ich Linked Helper verwenden. Ich würde die Profil-URLs der Männer kopieren und in die „Exclude“-Liste (Liste der nicht zu verarbeitenden Profile) meiner Kampagne hochladen, während ich die Profil-URLs der Frauen in die „Queue“-Liste (Liste der zu verarbeitenden Profile) hochladen würde.

Ergebnisse: Die Vereinigten Staaten und Norwegen weisen ein 80/20-Muster auf

In den Vereinigten Staaten werden C-Level-Positionen tatsächlich überwiegend von Männern besetzt. Auf Männer entfallen dort durchschnittlich 80 % der entsprechenden Profile. Bei der Position „Manager“ zeigt sich ein etwas anderes Verhältnis: 61 % der Profile entfielen auf Frauen – vor allem, weil „Manager“ ein breites Spektrum an Positionen umfasst, darunter Projektmanager, Personalmanager, Filialleiter und Manager in der Kundenbetreuung. In diesen Bereichen sind Frauen vergleichsweise stark vertreten. In Norwegen sieht die Verteilung von Männern und Frauen in Führungspositionen recht ähnlich aus, wie die nachstehenden Daten zeigen.

Geschlechterverteilung nach Berufsbezeichnungen

Qualität Ihrer Daten

Bei diesem Ansatz sind wir in hohem Maße auf Folgendes angewiesen:

(1) die Genauigkeit der LinkedIn-Suchergebnisse;

(2) die Genauigkeit der Anwendung zur Namensprüfung.

Wie zuverlässig sind die Daten also? LinkedIn kann gelegentlich irrelevante Profile in den Suchergebnissen anzeigen, insbesondere bei einem kostenlosen LinkedIn-Konto. Wenn Sie beispielsweise nach CEOs suchen, sehen Sie auch zahlreiche Profile mit der Angabe „Executive Assistant to CEO“.

In dieser Phase können Boolean-Suchoperatoren (Graphic Designer NOT Web Designer) oder das Keyword „Title“ die Relevanz der Suchergebnisse erhöhen.

Anschließend bietet Ihnen Linked Helper ein leistungsstarkes integriertes Filtertool, mit dem Sie Ihre Suchergebnisse weiter verfeinern können. Mithilfe der Filter „Position“ und „Headline“ haben wir festgestellt, dass fast ein Drittel der CEOs (287 von 1.000) zugleich Präsident ihres jeweiligen Unternehmens sind.

Feld „Position“ in Linked Helper

Bei der Namensprüfung zeigte uns Namsor neben jedem Namen einen prozentualen Wahrscheinlichkeitswert an, sodass wir beurteilen konnten, wie zuverlässig die jeweilige Einschätzung war.

Glücklicherweise erhielten mehr als die Hälfte der Profile (671) einen Wahrscheinlichkeitswert von 100 %. Weitere 200 Profile lagen auf der Wahrscheinlichkeitsskala zwischen 95 und 99 %. Außerdem gab es 20 Namen mit einem Wahrscheinlichkeitswert von 50 % – der niedrigsten Einschätzung. Diese überprüften wir jedoch schnell einzeln mit dem Filtertool von Linked Helper.

Da Linked Helper auch Profilbilder anzeigt, genügt häufig ein kurzer Blick, um die anhand des Namens vorgenommene Einschätzung zu überprüfen.

Bei Jackie waren wir zunächst unsicher; das Profil bestätigte jedoch unsere Einordnung als weiblich:

Namensprüfung

Wenn das Geschlecht nicht eindeutig war, entfernten wir das Profil aus unserer Kampagne – sicher ist sicher:

Eine weitere Namensprüfung

Fazit

Natürlich stellt unsere Untersuchung keineswegs eine eingehende Analyse der tatsächlichen Geschlechtergleichstellung auf dem Arbeitsmarkt dar. Wir müssen jedoch einräumen, dass die Einschätzung von Chat GPT nicht völlig unzutreffend war: Für die konkrete Aufgabe, LinkedIn-Profile nach mutmaßlichem Geschlecht zu sortieren, können Berufsbezeichnungen ein durchaus brauchbarer Anhaltspunkt sein. Viele Führungspositionen werden nach wie vor überwiegend von Männern besetzt. Das bestätigen auch aktuelle Untersuchungen des McKinsey Global Institute sowie Daten der Weltbank.

Allerdings bedeutet Geschlechtergleichstellung nicht einfach, dass bestimmte Positionen zu gleichen Teilen von Männern und Frauen besetzt sind. Gleiche Bezahlung, Zugang zu Bildung und Aufstiegsmöglichkeiten sind weitaus wichtigere Indikatoren.

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